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Sonntag, 31. Oktober 2010

New York einfach!

Über vier, die nach New York auswanderten, und ein wunderschönes Erzählkonzert mit drei verschiedenen Enden.

Cornelia Montani und der Schneider waren vorgestern mit "New York einfach" bei mir im Kreuz Solothurn zu Gast. Hier der Bericht von art-tv.ch über dieses Projekt:









Cornelia Montani ist eine begnadete Geschichtenerzählerin, die zusammen mit Daniel Schneider die Geschichten dreier junger Menschen präsentiert, die aus ganz verschiedenen, aber immer sehr triftigen Gründen nach New York auswandern: die Walliser Geisshirtin Marie, die von ihrer grossen Liebe enttäuscht wurde, der Süditaliener Angelo, der nicht so werden will wie sein Vater, und Joshka aus einem Kaff in Oklahoma, der von seiner traditionsgebunden jiddischen Familie weggeschickt wird. Auf alle drei hat New York nicht gewartet - sie knallen auf den harten Boden der Immigrantenrealität und begegnen sich schliesslich als Tellerwäscher in einer Pizzeria.

Gemeinsam ist ihnen die Liebe zur Musik - und davon lebt dieses Erzählkonzert: Marie spielt Schwyzerörgeli, Angelo singt und spielt Gitarre und Joshka will partout keinen Klezmer mehr spielen, er macht jetzt Jazz. Die drei Geschichten verknüpfen sich mehr und mehr miteinander und es kommt zur Begegnung von Schweizer Volksmusik mit süditalienischen Liedern, Klezmer und einem Hauch von Jazz. Cornelia Montani ist die Erzählerin, aber sie verkörpert auch alle Figuren mit viel Herz, Temperament und Leidenschaft. Und Daniel Schneider, der Klarinette, Saxophon und Cajon spielt, ist zwar "nur" Musiker und Darsteller der Nebenrollen, schafft es aber dennoch mitten im Geschehen zu sein. Denn viel wird in diesem Erzählkonzert über die Musik vermittelt...

1. Schluss: Alle drei machen im Big Apple ihren Weg als Musiker und sind sehr erfolgreich. Das Publikum applaudiert - und ist doch ein wenig irritiert ab dem allzu einfachen Erfolg und Happyend.

2. Schluss: Dann halt nicht! Die drei beginnen zusammen zu musizieren und spielen schliesslich Monat für Monat mit Erfolg in der Pizzeria ihres Patrons. Aber zum ganz grossen Durchbruch in New York, von dem alle geträumt haben, reicht's dann doch nicht.

Den 3. Schluss verrate ich nicht, nur so viel: Er hat mit Heimweh zu tun... New York einfach: Grossartige kleine Geschichten übers Auswandern, übers Verreisen, über die damit verbundenen Hoffnungen und Sehnsüchte, übers Fern- und Heimweh - mit viel leidenschaftlicher Musik.

Der 4. im Bunde der New York-Auswanderer kommt in diesem wunderbaren Erzählkonzert gar nicht vor: Er ist real nach New York ausgewandert, lebt seit über 25 Jahren dort, ist ein erfolgreicher Illustrator, dem die Schweiz schon früh zu klein geworden ist, und er ist mein Bruder. Vieles, das Cornelia Montani und der Schneider in ihrer Produktion thematisierten, trifft auch auf ihn zu, z.B. dass New York nicht auf ihn gewartet hat und die Konkurrenz im gleichen Metier riesig ist. Obwohl er inzwischen nicht mehr im Big Apple selbst zu Hause ist, gilt für ihn ganz real: New York einfach!

Weitere Aufführungen von New York einfach

Züri brännt - Lozärn brönnt

Wenn Zürich brennt, ist vor allem der Soundtrack von TNT geil - und die politischen Auswirkungen sind nachhaltig: Nach 1980 ist Zürich nicht mehr die gleiche Stadt wie vor 1980.



Aber Luzern brennt schöner, wie ein Fundstück aus dem Schaufenster des Luzerner Staatsarchivs zeigt:

Am 5. Februar 1971 brennt der Luzerner Bahnhof. Es kommentiert der damalige Feuerwehrkommandant Albert Ineichen.

Der Luzerner Journalist Peter A. Meyer produzierte diesen Film 1991 aus Originalmaterial von Hansjürg Stöckli, Hans Eggstein und Hermann Gächter und unterlegte die Bilder musikalisch mit dem Walkürenritt von Richard Wagner.
Und: Danke für den Tipp an den Pedestrian.

Freitag, 22. Oktober 2010

Das Kreuz mit dem Kreuz

Welches ist das richtige Kreuz für zwei Triengener Schulzimmer?

Das abgehängte Kruzifix oder ...
... das neue Steinkreuz oder ...

Es kann ja sein, dass Pastor der "Kirche der heiligen Pilze der Schweiz" ein bisschen zu viel von seinen Psyllos genossen hat - anders kann ich mir seinen Vorschlag, die Kruzifixe in den Schulzimmern von Triengen mit Schweizerkreuzen zu ersetzen, nicht erklären. Dass er aber wegen seiner Aversion gegen Kruzifixe Morddrohungen erhält und mit Kind & Kegel ausser Landes fliehen muss, geht dann doch eindeutig zu weit!

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Was ist hier falsch?

Das Kleintheater arbeitet hervorragend, dennoch fehlt Geld für die Gagen. Weshalb?

Obwohl das Kleintheater seine Auslastung von 50 auf 60% steigern konnte und einen traumhaften Eigenfinanzierungsgrad von 70% erreicht, fehlt Geld für anständige Gagen. Wie diese Woche in der Zeitung zu lesen war, schämen sich die beiden Leiterinnen oft für die tiefen Gagen, die sie den auftretenden KünstlerInnen zahlen. Was stimmt hier nicht?

Dass dem Kleintheater das Wasser finanziell bis zum Hals steht, ist nicht Neues. Es ist auch nicht so, dass das Kleintheater schlecht wirtschaftet. Nein, das Kleintheater steckt chronisch in Geldnöten, weil es seit Jahren untersubventioniert ist. Luzern sollte sich mal überlegen, wie viel der Stadt dieses kulturelle Kleinod wert ist und die Subvention entsprechend erhöhen. Wenn möglich, bevor dem Theater der Schnauf ausgeht oder die beiden Leiterinnen den Verleider bekommen...

Freitag, 15. Oktober 2010

Salle Modulable: Schade, schade, schade

Mit ihrem Rückzug der zugesagten 100 bis 120 Millionen für den Bau der Salle Modulable haben die "anonymen" Geldgeber kulturpolitisch einen gewaltigen Flurschaden verursacht. Es war eine böse Überraschung - und viele Luzernerinnen und Luzerner reiben sich immer noch ungläubig die Augen.

Die Geldgeber um den kürzlich verstorbenen Mäzen Christof Engelhorn begründen den Rückzug mit den vielen Ungewissheiten bezüglich Standort, Bau- und Betriebskosten. Diese Begründung ist - gelinde gesagt - ein bisschen lusch, war doch das Projekt Salle Modulable gar nicht so schlecht unterwegs: Mit dem Lido ist realistischer Standort gefunden worden und Anfang 2011 hätte die Planungsgesellschaft ein Gesamtkonzept präsentiert, das man hätte diskutieren können.

Stattdessen entzieht die hinterbliebene Gönnerschaft der Salle Modulable die finanzielle Basis und hinterlässt kulturpolitisch einen gewaltigen Flurschaden. Schade um die bereits in die Planung investierten 5.75 Millionen, schade um die vielen Diskussionen, die rund um dieses Projekt bereits geführt worden sind, schade um die für nichts und wieder nichts verpuffte Energie! Schade auch um die vielen verpassten Chancen für eine Neuorientierung der Kulturstadt Luzern!

Anfänglich waren die Initianten der Salle Modulable der Ansicht, man dürfe einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen, bald haben sie aber eingesehen, dass dieses Projekt ohne Unterstützung der Öffentlichkeit, ohne zusätzliches Geld von Stadt und Kanton und ohne den Support der gesamten Luzerner Kulturszene nicht realisiert werden kann. Denn von Anfang an war klar, dass eine Investition von 100 Millionen in eine Musiktheaterinfrastruktur Folgekosten von x Millionen Franken für den Betrieb nach sich zieht.

Bestenfalls ist zu vermuten, dass der notwendige demokratische Prozess mit ungewissem Ausgang den edlen Spendern zu lange ging und sie deswegen die Geduld verloren, aber in einer demokratischen Gesellschaft kann man nicht einfach mit den Millionen wedeln und meinen, dass alle "ja und amen" sagen. Böswilliger ist die Interpretation, dass die Hinterbliebenen mit der grosszügigen Spende des Stifters nicht einverstanden sind und auf diesem Weg versuchen, sie rückgängig zu machen. Es ist deshalb gut zu verstehen, dass die treibenden Kräfte hinter der Salle Modulable unbeirrt weiterplanen und versuchen, doch noch an das versprochene Geld heranzukommen.

So oder so hinterlassen die "anonymen" Geldgeber einen Scherbenhaufen. Mit der Salle Modulable hätten tatsächlich etliche Probleme auf einen Schlag gelöst werden können. Jetzt müssen neue Lösungen erarbeitet werden: Die marode Infrastruktur des Luzerner Theaters zum Beispiel muss so oder so saniert werden. Auch der Raumbedarf der Hochschule Musik muss irgendwie befriedigt werden. Und last but not least braucht es ein neues Gleichgewicht in der Verteilung der Luzerner Kulturgelder. Die Folgen dieses kulturpolitischen GAUs werden uns also noch einige Zeit beschäftigen. Wichtig ist, dass die durch die Salle Modulable angestossenen Prozesse nicht einfach gestoppt, sondern in anderer Form weitergeführt werden. Dies gilt ganz besonders für die Debatte über die Finanzierung der Luzerner Kultur. Deshalb braucht es jetzt erst recht einen neuen Kulturstandortbericht.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Bitte, liebe Terroristen, haltet Euch an die Bürozeiten

Ein Fundstück aus der Solothurner Zeitung vom 12. Oktober, über das ich herzlich gelacht habe, möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Der Artikel mit dem Titel "30 lange Minuten bis zum Start" beginnt folgendermassen: "Bis heute kann die Luftwaffe nur zuschauen, wenn ein Flugzeug ausserhalb der Bürozeiten verbotenerweise in helvetischen Luftraum eindringt. Kampfjets, Piloten und Bodenpersonal stehen ausschliesslich an Werktagen zum Einsatz bereit, und das auch nur tagsüber." Als ob sich Terroristen an Bürozeiten halten... Da können wir momentan nur hoffen und allenfalls beten, dass es niemandem in den Sinn kommt, mit einem Kamikaze-Angriff ein helvetisches AKW zu attackieren.

Nur damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich unterstütze nicht die Motion von FDP-Ständerat Hans Hess (OW), welche die Einführung eines permanenten Luftpolizeidienstes verlangt, Kostenpunkt: 15 Millionen Franken. Vielmehr würde ich eine Luftwaffe, die nur zu Bürozeiten einsatzfähig ist, gänzlich grounden, weil sie schlicht überflüssig ist.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Weniger als şöyle böyle

Im Türkisch-Crashkurs "Wo isch de Biber? – Biber nerede?" habe ich einiges über die türkische Sprache, die Türken und Türkinnen gelernt.

Dieser amüsante Crashkurs fand im Kleintheater statt, im Rahmen von Yirmion - 2010 Istanbuluzern, ein kleines, aber feines Kulturaustauschfestival in Luzern, das die Kulturhauptstadt Istanbul feierte. Armin Meienberg, Istanbul-Aficionado, und Emel Ilter, in Deutschland aufgewachsene Türkin, führten uns in knapp zwei Stunden äusserst kompetent in die ersten Geheimnisse des Türkischen ein. Doch was ist mir geblieben?
  • Dass sich das schweizerdeutsche "Müesli" so rasend schnell auf sämtliche Frühstücksbuffets dieser Welt verbreitete, wäre ohne das türkische "yoğurt" nicht möglich gewesen.
  • Die TürkInnen haben nicht nur das Wort "yoğurt" in alle Welt verliehen, sondern sie haben auch zahlreiche Lehnwörter geliehen, vor allem aus dem Französischen : z.B. Asansör, Kuaför, Otogar (Busbahnhof). Und im Gegensatz zum Französischen hat man im Türkischen keine Probleme, diese Wörter zu schreiben.
  • Während wir Freude an zusammengesetzten Substantiven wie Vierwaldstätterseedampfschifffahrtsgesellschaft haben, setzen Türkinnen und Türken halbe Sätze zu Wörtern zusammen. Ein Beispiel: ev - das Haus, evler - die Häuser, evlerim - meine Häuser, evlerimde - in meinen Häusern usw. usf. Türkisch ist eben eine agglutinative Sprache.
  • Sprachlich haben es Türkischsprechende gerne harmonisch: Da gibt es neben der kleinen auch eine grosse Vokalharmonie. Das führt dazu, dass nach drei ü's die Chance gross ist, dass noch ein viertes ü kommt, wie zum Beispiel in "gürültülü" - lärmig.
  • Schliesslich lieben die TürkInnen Wiederholungen - Beispiele gefällig? Nach jeder Ortschaft steht auf einer Tafel am Strassenrand: güle güle - auf Wiedersehen. Oder: falan ist ein türkisches Füllwort für usw., die Steigerung davon ist falan filan - usw. usf.. Aber am meisten angetan bin ich von şöyle böyle (ausgesprochen: scheule beule), dem türkischen Pendant zum deutschen so so la la.
Doch trotz Crashkurs sind meine Türkischkenntnisse nach wie vor weniger als şöyle böyle - das liegt nicht nur an mir, sondern wohl auch daran, dass Türkisch schwieriger ist als Chinesisch, wie Kai Strittmatter an einer anderen Yirmion-Veranstaltung feststellte. Und der muss es wissen, hat er doch beide Sprachen gelernt.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Zum Gränne schön!

KAZALPIN / КА3АЛПИН am 12. November im Kreuz Solothurn

Ich werde hier nicht jede Veranstaltung, bei der ich die Finger drin habe, zusätzlich bewerben, aber das hier ist ein kulturelles Highlight, auf das ich mich selber sehr, sehr freue, denn die drei Weissrussinnen singen zum Gränne schön!

Kazalpin / Казальпин from the kavashi brothers on Vimeo.

Mit Vokaltrio Akana (Belarus) und Albin Brun Alpin Ensemble (CH)
Kazalpin ist ein gemeinsames Projekt des weissrussischen Vokaltrios Akana und des schweizerischen Albin Brun Alpin Ensembles. Die drei stimmgewaltigen Sängerinnen aus Minsk und die vier Schweizer MusikerInnen haben zusammen ein Konzertprogramm erarbeitet, das belarussische Originalklänge mit World Music aus der Schweiz vermischt. Die drei Akana- Sängerinnen sammeln in den Dörfern ihrer Heimat Volksmelodien und vermitteln ihrem städtischen Publikum diese musikalischen Wurzeln in zeitgemässer Version. Das Albin Brun Alpin Ensemble lässt sich ebenfalls von traditionellen Klängen und Melodien inspirieren, folgt aber ganz den eigenen musikalischen Intentionen… Kazalpin ist sozusagen der musikalische Alpaufzug von den belarussischen Ebenen auf die Höhen der Schweizer Berge und eine musikalische Gratwanderung zwischen zwei Kulturen. „Ein Highlight… Die für unsere Ohren ungewohnten archaischen Melodien verschmelzen mit dem virtuos gespielten Jazzgroove des Albin Brun Alpin Ensemble zu einer neuen Einheit.” (Neue Luzerner Zeitung)

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Lehrpfaditis

Lehrpfade soweit das Auge reicht: Die grassierende „Lehrpfaditis“ sorgt dafür, dass jeder Spaziergang zu einem Lehrstück wird.

Im Land von Pestalozzi ist das Spazieren ohne Lernziel und neue Erkenntnis bald nicht mehr möglich. Es gibt Orte, wo sich drei, vier Themenwege überlagern. Wer von Emmenbrücke der Reuss entlang abwärts geht, soll sich gleichzeitig mit unserem Sonnensystem, dem Ökosystem des Flusses und 50 Holzskulpturen auseinandersetzen. Etwa hinter jedem zehnten Baum lauert da ein Planet, eine Lehrtafel oder geschnitztes Kunstwerk auf den arglosen Spaziergänger.

Die Kulturgeschichte des Lehrpfads beginnt mit den Höhlenbewohnern. Schon diese Steinzeitmenschen führten ihre Kinder mit Wandbildern in die Theorie der Mammut-Jagd ein. Später dann waren Lehrpfade religiösen Themen gewidmet: Die standardisierten Kreuzwege, die mit 14 Stationen den Leidensweg Christi thematisieren, können durchaus als Urmodell des Themenwegs gelten. Der erste offizielle Lehrpfad entstand gemäss Wikipedia 1925 im „Palisades Interstate Park“ in New York und New Jersey. Seither hat sich der Lehrpfad unaufhaltsam ausgebreitet – heute gehört er in der Schweiz zum Standardinventar jedes Naherholungsgebiets.

In der Themenweg-Datenbank des Instituts für Umwelt und Natürliche Ressourcen in Wädenswil sind sie alle erfasst: von A wie Aaschlucht Grafenort bis Z wie Zwärgliweg Bannalp. Die Schacher-Seppli-Skulptur am Bahnhof GiswilFür den Kanton Luzern listet die Datenbank 34 Lehrpfade auf – die Liste wird laufend erweitert. Haben Sie gewusst, dass es in Luzern und Littau vier Naturlehrpfade, etliche naturkundliche Rundgänge und einen Klimaweg (vom Obergütsch ins Eigental) gibt? Und nichts wird von der Lehrpfaditis verschont: In Giswil muss der Schacher-Seppli zuerst den kürzlich zu seinem Gedenken eröffneten Erlebnisweg abwandern, bevor er durch die Himmelstür eintreten kann...