Ein Geheimtipp im Kreuz Solothurn: auf dieses Konzert mit dem Elina Duni Quartet freue ich mich auch als Veranstalter ganz besonders.
Hier der Promotext von Grego Applegate Edwards: “Das Elina Duni Quartet mit seiner einzigartigen Mischung aus osteuropäischer Tradition, transponiert in modernen Jazz, hypnotisiert. Die Gruppe weist eine Sensibilität auf, die weit über die Konstellation Sängerin plus Piano Trio Backup hinausgeht. Die Musik ist abwechselnd zärtlich, leise traurig, meditativ intim und leidenschaftlich, und Elina ist eine Stimm-Stilistin, die es verdient, gehört zu werden. Das Resultat ist schlicht schöne und mit viel Liebe gemachte Musik, die zeigt, dass „Sängerin plus Band“ nicht zwangsläufig fade, endlose Wiederholungen der Vergangenheit bedeuten, sondern dass mit dieser Formel durchaus verschiedene Stile und Weltklänge auf neue Art harmonisch zusammengeführt werden können. Hervorragend.“
Nichts macht glücklicher als wenn man für oder gegen etwas kämpfen kann. Dank der massiven Adrenalinausschüttung - vermute ich mal - ging es dem tragischen Held von Cervantes immer dann hervorragend, wenn er sich in ein neues Abenteuer stürzen konnte. Mein rostiger Don Quijote auf unserem Balkon jedenfalls kämpft schon mal tapfer gegen den Schnee...
Gondelbahn oder "Sässeli"? Der Streit über die Erschliessung des Solothurner Hausbergs führt dazu, dass der Betrieb der historischen Sesselbahn bereits seit 2009 eingestellt ist und sich andererseits der Bau einer neuen Bahn auf den Weissenstein weiter verzögert. Das Kurhaus Weissenstein musste wegen fehlender Perspektiven schliessen und wurde diesen Monat verkauft. Lieber ein Hausberg ohne Bahn als ein Hausberg mit einer neuen Gondelbahn?
Der Verein "Pro Sesseli" und der Schweizer Heimatschutz kämpfen für den Erhalt der 60jährigen Sesselbahn und haben zu diesem Zweck die Stiftung "Historische Seilbahn Weissenstein" gegründet, die die Sesselbahn kaufen und weiterbetreiben will. Hinter der Stiftung steht u.a. der Multimilliardär Hansjörg Wyss, Besitzer der Medizinaltechnikfirma Synthes, der einen "namhaften Betrag" versprochen hat. Auf Betreiben des Heimatschutzes untersagt das Bundesamt für Verkehr den Bahnbetreibern, einstweilen Bestandteile der Bahn zu verkaufen, obwohl es überzeugt ist, dass dieser Typ Bahn sicherheitstechnisch nicht sanierbar ist.
Auf der anderen Seite stehen die Seilbahn Weissenstein AG (SWAG) und die Facebookgruppe "Pro Gondeli", die die historische Sesselbahn abreissen und mit einer modernen Sechser-Gondelbahn ersetzen wollen. Die SWAG wollte den Weissenstein mit einer Rodelbahn und einer Tubing-Anlage touristisch aufwerten, was aber das Bundesamt für Raumentwicklung bereits 2008 abgelehnt hat, weil der Weissenstein im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgelistet ist. Die Gondelbefürworter planen weiter, während die Gondelgegner bezweifeln, ob die neue Bahn mit Investitionskosten von 12 bis 15 Millionen Franken überhaupt gewinnbringend betrieben werden kann.
Ich kann nachvollziehen, dass die Solothurner und Solothurnerinnen an der historischen Sesselbahn vom Typ Von-Roll 101 hängen und sich für ihren Erhalt einsetzen. Aber wenn ich wählen müsste zwischen Hausberg ohne Bahn oder Hausberg mit Gondelbahn, würde ich mich ohne zu Zögern für die Gondelbahn entscheiden, auch wenn ich die Fahrten auf dem Seitwärts-Sesseli immer genossen habe, auch wenn es die letzte Bahn dieses Typs ist, auch wenn der Heimatschutz für das Sesseli Schoggitaler verkauft und auch wenn Ben Jeger eigens eine "Sässeli-Mazurka" komponiert hat. Anyway, noch ist das letzte Wort in Sachen Sesseli vs. Gondeli nicht gesprochen.
Diese beiden Karten haben mich nicht in Ruhe gelassen - ist es tatsächlich so, dass die Ausschaffungsinitiative dort, wo die Ausländeranteile hoch sind, am ehesten auf Ablehnung stiess? Ein Deutungsversuch mit Hilfe von Voodoo-Kartografie.
Diese Karte mit den Abstimmungsresultaten zeigt: Die Initiative wurde in der Romandie, in den Städten und zum Teil in touristisch geprägten Gebieten (z.B. im Engadin) abgelehnt.
Und diese Karte mit den Ausländeranteilen an der ständigen Wohnbevölkerung zeigt die enormen Unterschiede in der Schweiz. Während in Lausanne-West 42.9% der Bevölkerung aus dem Auslang stammen, beträgt der Ausländeranteil z.B. im luzernischen Entlebuch nur gerade 5.9%. Aber gerade Lausannes Westen hat mit 55.1% Nein die Initiative deutlich verworfen, während das Entlebuch ihr mit 68.9% Ja noch deutlicher zugestimmt hat.
Gibt es also einen statistischen Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und den Nein-Stimmen zur Initiative? Zuerst berechnen die Statistiker den Korrelationskoeffizienten, der in diesem Fall 0.347 beträgt, was bedeutet, dass ein gewisser Zusammenhang besteht. (1 steht für einen 100%igen Zusammenhang, -1 für einen 100%igen umgekehrten Zusammenhang, 0 für gar keinen Zusammenhang.) Dann zeichnen sie eine Punktwolke, legen eine Trendlinie hinein und versuchen Kaffeesatz zu lesen. Hier ist die Punktwolke:
Die Trendlinie wirkt wenig überzeugend - zu viele Ausreisser und Spezialfälle sind in dieser Punktewolke. Zu vermuten ist deshalb, dass andere Faktoren das Abstimmungsergebnis stärker beeinflusst haben als der jeweilige Ausländeranteil in den 150 schweizerischen Bezirken.
Deshalb noch ein bisschen Voodoo-Kartografie:
Mit dieser statistischen Voodoo-Methode "Ablehnung der Initiative mal Ausländeranteil" werden zwar die Ausreisser eliminiert und die Karte vermittelt ein eindeutigeres Bild, was aber sicherlich wissenschaftlich nicht korrekt ist. Anyway, die Karte zeigt so etwas wie die Aufnahmebereitschaft der verschiedenen Gegenden der Schweiz gegenüber AusländerInnen. Kurz: Je bleicher das Blau desto xenophober das entsprechende Gebiet. Deutlich wird das Gefälle von der Romandie und grossen Teilen des Tessins (das trotz hohen Ausländeranteilen mit 61.3% Ja stimmte) zur Deutschschweiz, deutlich wird aber auch das Stadt-Land-Gefälle (Auch Winterthur und Luzern haben die Initiative abgelehnt.) und die Unterschiede zwischen den konservativen Kerngebieten in der Zentralschweiz, im Bernbiet, im Oberwallis und Teilen der Nordostschweiz (v.a. Appenzell-Innerrhoden) und den eher liberalen und offeneren Regionen der Schweiz.
Weniger Voodoo und mehr Wissenschaft bietet die Erstanalyse des Instituts gfs in Bern, die auch zeigt, dass mit steigender Ausländerkriminalität die Zustimmung zur Ausschaffungsinitiative nicht etwa zunimmt, sondern abnimmt. Auf die Frage "Wie viele kriminelle AusländerInnen vor Ort braucht es für ein Ja zur Ausschaffungsinitative?" antwortet der Politologe und Stadtwanderer Claude Longchamp in seinem Blog denn auch etwas überspitzt: keine.
Das etwas paradoxe Fazit: Je weniger Probleme eine Region mit AusländerInnen hat, desto grösser die Zustimmung zur Ausschaffungsinitiative.
Vom 1. bis zum 24. Dezember öffnet der Kultur-Adventskalender jeweils um 18 Uhr in der Loge in Luzern ein "Kultürchen" mit einem kurzen Liveauftritt von Kulturschaffenden aus der Region.
Wer hat nicht als Kind sehnsüchtig auf den Moment gewartet, an dem man ein weiteres Türchen öffnen durfte und ein überraschendes Bildchen zum Vorschein kam? Und - Hand aufs Herz - wie viele Erwachsene erinnern sich nicht gerne an diese glücklichen Kindheitsmomente? Nicht wenigen Erwachsenen ist der märchenhaft anmutende und reich verzierte Adventskalender derart ans Herz gewachsen, dass sie jedes Jahr einen neuen kaufen und aufhängen.
An diese schöne Tradition knüpfen ACT Zentralschweiz und die Loge Luzern an - mit einem lebenden Adventskalender in der Loge. Nur noch 5 mal schlafen, bis das erste Türchen aufgeht... Was das Publikum während eines Kurzauftritts erleben kann, reicht von Theater und Tanz über Performances und eine Quizshow bis zu Lesungen und kleinen Konzerten. Einzige Bedingung: Es muss auf der 5 Quadratmeter grossen Bühne der Loge mit geringem Aufwand realisierbar sein. Wer wann auftritt und was einen erwartet, verrate ich natürlich nicht - sonst wäre es keine Überraschung mehr.
Wer wissen will, wer alles mitmacht, kann sich ja den E-Flyer anschauen. Und wer wissen will, was er oder sie in der Loge schon verpasst hat, kann im Online-Kultur-Adventskalender das entsprechende Türchen öffnen. Leise rieselt da sogar der virtuelle Schnee. Ziemlich leise.
Und wer noch mehr Live-Adventskalender will, kann vom 1. bis 23. Dezember unter den Arkaden des Luzerner Theaters schon um 17.30 Uhr ein Türchen des theatralischen Adventskalenders aufmachen und eine kleine musikalische oder literarische Überraschung erleben.
Graffitisprayer wurden schon immer marginalisiert und in die Illegalität getrieben, jetzt werden sie auch noch wegrationalisiert - ein Youtube-Fundstück meines Bruders in den USA: funny!
Seit Blocher die Basler Zeitung beraten soll, ist in Basel der Teufel los. Die Basler und Baslerinnen beginnen sich gegen die SVPisierung der Medienlandschaft zu wehren - auf www.rettet-basel.ch haben über 17'000 Personen einen Aufruf unterzeichnet und stündlich werden es mehr. Aber was hat dieser Aufstand mit Luzern zu tun?
Gestern habe ich im Zug nach Luzern eine Basler Zeitung (BaZ) in die Finger bekommen. Im Kulturteil war unter dem Titel "Basler Trauma - Zeitungsgeschichte(n)" eine interessante Analyse von Daniel Wiener, Journalist, Ökologe und Kulturmanager, zu lesen. Im Kern geht es in seinem Artikel um die Folgen der Zeitungsfusion von 1977, als die National-Zeitung und die Basler Nachrichten zur BaZ fusioniert wurden. Er schreibt: "Die Fusion wurde und wird von der Region Basel als Trauma erlebt. 1977 ging etwas Unwiederbringliches verloren, das von links bis rechts auch heute noch vermisst wird. Die Fusion ist eine Leiche im Keller der kollektiven Basler Psyche."
Irgendwie kommt mir das bekannt vor: Als ich vor gut zehn Jahren nach Luzern kam, ist mir als Zürcher schon bald einmal das allgemeine Wehklagen über das Quasimonopol der Neuen Luzerner Zeitung aufgefallen. Dieses weit verbreitete Gejammer, das einhergeht mit dem Lob früherer Zeiten, als in Luzern noch drei Tageszeitungen erschienen, hat bis heute nicht nachgelassen. Mir scheint, auch Luzern hat aus der Fusion des konservativen Vaterlands mit dem liberalen Tagblatt (1991) und dann mit den Luzerner Neusten Nachrichten (Ende 1995) ein kollektives Trauma davongetragen.
Man müsste in Daniel Wieners Analyse des kollektiven Traumas "Basel" und "BaZ" mit "Luzern" und "NLZ" ersetzen, dazu ein paar Zeitungsnamen und Jahreszahlen austauschen und nur noch wenig würde fehlen, dass Wieners Beschreibung auch auf Luzern passt.
Ganz unterschiedlich hingegen sind die Investoren: Während in Luzern die NZZ-Gruppe zu 80% das Sagen hat, sind es in Basel der Financier Tito Tettamanti (75%), der Medienanwalt Martin Wagner (25%) und ihr "wirtschaftlicher" Berater Christoph Blocher. In Luzern nimmt die NZZ inhaltlich nur wenig Einfluss, in Basel aber ist tatsächlich zu befürchten, dass Tettamanti, Blocher & Co. sich viel stärker einmischen - der Basler Aufruhr ist deshalb mehr als verständlich. Frage: Würde man auch die Investoren und Berater von NLZ und BaZ vertauschen, gäbe es dann auch im medientraumatisierten Luzern einen solchen Aufstand?