Alien
Es ist eine neuere Version von  AlienInsideTwoday  verfügbar!  Aktualisieren  Jetzt nicht!
© 2018-2023 NeonWilderness

Sonntag, 31. August 2014

Schafe, überall Schafe

Dass England unglaublich ländlich sein kann, ist eine Erkenntnis, die ich in unseren Sommerferien gewonnen habe. Auf unseren Wanderungen überquerten wir immer wieder riesige Schafweiden. Überall Schafe. Ob es daran liegt, dass der Wolf in Grossbritannien seit dem 19. Jahrhundet ausgerottet ist?



Schnell einmal haben wir gemerkt, dass Schaf nicht einfach Schaf ist. Dass diese beiden Schafe auf dem Latrigg (mit 368 m.ü.M. einer der niedrigsten Hügel im Lake District — von diesem "Haushügel" hat man eine tolle Sicht auf Keswick) anders sind, haben wir aufgrund der Hörner gemerkt. Doch wer von uns Städtern kann schon Schafrassen unterscheiden?



Dank des Schafs wirkt diese englische Seenlandschaft noch friedlicher, noch bukolischer (Bukolik, v. griech. βουκόλος – boukólos – Rinderhirte) — bukolisch im allgemeineren Sinn, wie die bukolische Dichtung, die sich mit der Zeit auch nicht mehr nur auf das Leben von Rinderhirten, sondern von Hirten aller Art bezog, also auch auf die Schäferromantik. "Pastoral" (von lat. pastor - Hirte) ginge als Adjektiv für dieses Landschaftsidyll mit Schaf zur Not auch, erinnert mich aber zu fest an mein Trauma mit La Symphonie pastorale von André Gide (1869-1951), dem ersten Buch, das ich auf Französisch lesen musste.



Meist sind englische Schafe auf eingezäunten Weiden anzutreffen. Einmal jedoch sahen wir in einem abgeschiedenen Tal im Lake District einen Schäfer, der mit seinem Hund eine recht grosse Schafherde talaufwärts trieb.



Dieses Schaf ist zwar schwarz, aber kein Schaf — auf englischen Weiden grasen nicht nur Schafe, sondern hin und wieder auch Kühe und Rinder. Im Vergleich zur Schweiz fällt allerdings auf, wie still diese englischen Landschaften sind, weil das Vieh keine Glocken trägt: Nicht nur die Landscape ist in England ganz anders, sondern auch die Soundscape.



Das sind nur gerade zehn von rund 22.6 Millionen Schafen und Lämmern, die 2013 in Grossbritannien gezählt wurden. Obwohl die Briten 2012 gemäss Beef and Lamb Matters, einem Blog der Fleischindustrie, beim Schaffleisch technisch autark sind, importierten sie 86'100 Tonnen, 73% davon aus Neuseeland. Im gleichen Jahr exportierten sie 94'700 Tonnen.

Das Vereinigte Königreich ist zugleich zweitgrösster Importeur und drittgrösster Exporteur von Schaffleisch. Das ist tatsächlich erklärungsbedürftig. Die britische Fleischindustrie führt saisonale Schwankungen und qualitative Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage als Gründe an. Die britische Nachfrage ist um Ostern am grössten, also genau dann, wenn das britische Angebot am kleinsten und der neuseeländische Überschuss am grössten ist. Überdies importiert Grossbritannien die qualitativ besseren und teureren Stücke, während die schlechteren und billigeren Bestandteile in Schwellenländer exportiert werden.

Immerhin gibt es auf dem Markt in Keswick einen Stand, der die vielfältigen Schafprodukte von der Wolle bis zum Fleisch aus einheimischer Produktion verkauft. Wie viel einheimisches Schaffleisch in den Kühlregalen der britischen Detailhändler landet, weiss ich nicht — in der Schweiz jedenfalls konnte ich bei Migros und Coop noch nie einheimisches Schaffleisch kaufen, obwohl gemäss einer ETH-Studie über den Schweizer Lammfleischmarkt immerhin 40% des Bedarfs im Inland produziert werden.



Dieses schöne Exemplar habe ich am Hadrianswall angetroffen. Ich musste es einfach fotografieren...



...und die Schafe, deren Wolle sich in diesem Stacheldraht verfangen hat, waren nah am Abgrund. Aber eben: Schafe, überall Schafe.

Donnerstag, 28. August 2014

Realifiction

Auch fürs Schweizer Fernsehen gilt: Das Beste kommt immer am Schluss. In diesem Fall nach Mitternacht, also heute um 00.13 Uhr. Beim Zappen bin ich auf Bad Boy Kummer gestossen, ein filmisches Portrait über den Schweizer Journalisten Tom Kummer, der über 50 Interwiews mit Hollywood-Grössen, wie Sharon Stone, Sean Penn oder Bruce Willis, fälschte. Ein Film über die Grenze zwischen Realität und Fiktion, über Fake und Remake, sowie die Frage, wie einer jahrelang eine ganze Branche zum Narren halten konnte.

Der Dokumentarfilm Bad Boy Kummer von Miklós Gimes, Regie (CH/D 2010, 92′, HD, Schweizerdeutsch/D/E) ist aus rechtlichen Gründen leider nicht mehr auf CH:Filmszene von SRF nachzusehen, aber als hier als DVD erhältlich.


Der 6-Minuten-Beitrag von Kulturzeit auf 3sat enthält einige Filmausschnitte, die einen recht guten Eindruck vermitteln. Auf Youtube hochgeladen von schwalbenbimbi

Der im Film portraitierte Tom Kummer war schon vieles: Tennistalent, Künstler "Skapoda", Kriegsreporter, Borderline-Journalist und Hollywood-Korrespondent. Doch berühmt wurde er mit seinen ausführlichen, aber allesamt gefaketen Interviews, mit denen er die Stars neu erfand. Vier Jahre lang belieferte Kummer seriöse Blätter in Deutschland und der Schweiz, bis er aufflog. Nach wie vor lebt er mit seiner Familie in Los Angeles und ist jetzt Trainer für Kleinfeldtennis.

Der Filmregisseur, Miklós Gimes, war damals, als Kummer die Stars in seiner lebhaften Fantasie aufpeppte, Vizechef der Wochenend-Zeitungsbeilage Das Magazin und als solcher Abnehmer der erstunkenen und erlogenen Interviews aus dem glamourösen Hollywood. Herauszufinden, warum er dem Lügenbaron von LA diese Geschichten abgekauft hatte, war möglicherweise seine Motivation für diesen Film.


Dieses 20-Minuten-Interview mit Filmemacher Miklós Gimes erhellt den Background von "Bad Boy Kummer". Auf Youtube hochgeladen von W-film Distribution

Ich mag mich an diese gut gemachten Geschichten erinnern, für die Kummer viel Lob bekam. Ich dachte: Unglaublich, was der alles aus diesen Promis rausholt. Aber nie wäre ich darauf gekommen, dass sich Kummer die interessanten Details aus dem Leben der Stars nur aus den Fingern gesogen hat. In einem Interview mit dem Tagi sagte er 2007:

"Ich habe im Fall von Pamela Anderson versucht, eine tiefere Wahrheit auf die Ware zu projizieren. Denn das ist doch der Starkörper: Das schönste Gefäss, das wir für unsere Träume finden können. Träume sind doch kein Betrug."

Und im Film sagt er entschuldigend, dass es ihn, als er nach LA kam, getroffen habe, wie die Leute hier ihre Fiktion als Wahrheit vermitteln und wie das Fernsehen die Wirklichkeit verfremdet. Während man in Europa den Nachrichten in einem gewissen Sinn noch trauen könne, seien sie hier mehr eine Inszenierung von Wirklichkeit als die Wirklichkeit schlechthin. Er mache mit seinen "gefundenen" Interview-Antworten das banale Leben dieser Stars interessanter als es eigentlich wäre. So lässt er Sharon Stone von lesbischen Fantasien berichten, Sean Penn über Kierkegaard schwadronieren und Nicolas Cage einen Satz von Rainer Werner Fassbinder zitieren: "Das einzige, was ich im Leben akzeptiere, ist Verzweiflung". Bei Tom Kummer werden die Stars feinfühliger, philosophischer und gescheiter als sie sind — und die Fiktion ist besser als die Realität. Letztlich sei er die Avantgarde eines Journalismus, in dem es keinen Unterschied zwischen Realität und Fiktion mehr gebe.

Sicher hat es Tom Kummer mit seiner "sehr subjektiven" Berichterstattung zu weit getrieben, trotzdem ist es schade, dass dieser postmoderne Märchenerzähler das Leben der Hollywoodstars nicht mehr aufpeppen darf, hat doch der geniale Schreiberling die Realifiction zu einem neuen und unterhaltsamen Genre entwickelt — Hollywood und seine Stars sind definitiv langweiliger, seit Bad Boy Kummer nicht mehr über sie fantasieren darf.

Montag, 25. August 2014

Rund um den See

Wenn über den See schreibe, meine ich den See von Keswick und der heisst: Derwent Water. Er sei immerhin der viertgrösste Englands, meint Wikipedia. Eine Seeumrundung sei reizvoll, meinten unsere englischen Freunde. Nun denn, machen wir uns auf die Socken.

Von unserer Ferienwohnung (1 — die Zahlen beziehen sich auf die Google-Maps-Route weiter unten) begeben wir uns an die Strandpromenade (2), von wo wir auf Empfehlung unserer englischen Freunde die Fähre zur Kitchen Bay (3) nehmen und die Seeumrundung um zwei, drei Meilen verkürzen.



Das Schiff sei noch nicht zum Einsteigen bereit, meint die Frau von der Derwent-Water-Schifffahrtsgesellschaft resolut, als wir eine Viertelstunde vor Abfahrt schon einsteigen wollen. Weil sie ein bisschen aussieht wie die "Iron Lady" und mindestens so viel Haare auf den Zähnen hat, verpasst Frau Frogg ihr umgehend einen Übernamen: Miss Thatcher. Angesichts der vielen Leute, die einsteigen wollen, hat Miss Thatcher ein Einsehen und lässt uns — ganz entgegen ihren Prinzipien — schon zehn statt nur fünf Minuten vor der Abfahrt einsteigen.





Die Kitchen Bay ist eine recht idyllische Ecke des Sees.

Hier unsere Wanderroute:


Derwent Water auf Google Maps mit unserer Wanderroute (hellblau gepunktet) und der Abkürzung mit der Fähre (rot). Die Google-Maps-Wanderer sind allerdings Schnellwanderer — wir jedenfalls sind länger unterwegs als Google Maps meint.


Über die Catbells
Unmittelbar hinter der Anlegestelle der Fähre (75 m.ü.M.) beginnt der recht stotzige Zickzackweg auf die Catbells (4).



Dass sich der gut einstündige Aufstieg auf die Catbells (451 m.ü.M.) lohnt, zeigt das Gipfelpanorama:

Das Panorama auf den Catbells (zum Vergrössern aufs Bild klicken!)

Wanderschuhe sind empfehlenswert, denn auch der Abstieg von den Catbells ist recht steil.


Sumpfige Ebene
Unten angekommen, führt die Route quer über die sumpfige Ebene am oberen Ende des Sees (5). Auch hier ist das Seeufer sehr idyllisch. Der letzte Wegabschnitt führt über Stege, die bei Hochwasser nicht passierbar sind.










Hotel mit Wasserfall
Am Ende der Sumpfebene befindet sich das Lodore Falls Hotel (6) — höchste Zeit, den Durst mit einem Pint of Cider zu löschen.



Mit unserer Wanderkluft passen wir nicht 100%ig in die Gästeschar des Viersternhotels mit Spa: Frisch gebadet sitzen die Hotelgäste in weissen Bademänteln und Badeschlarpen im Hotelgarten, während wir verschwitzt und in Wanderschuhen unseren Durst löschen...



Die Lodore Falls hinter dem Hotel sind nicht spektakulärer als der Lichtenhainer Wasserfall in der sächsischen Schweiz, aber in den Hügeln des Lake Districts kann man auch nicht erwarten, dass Wasserfälle über Hunderte von Metern ins Tal stürzen...


Kiesstrand



Auf dem Rückweg nach Keswick folgen wir dem Ufer von Derwent Water (7) und entdecken immer wieder idyllische Ecken.




Objet trouvé



Gegen den Schluss der Wanderung finden wir am Rand einer Schafweide (8) "Kunst" am Wegrand und blicken nochmals über den See auf die Catbells.



Fazit: Derwent Water ist wegen der vielen schönen Ecken eine Umwanderung wert, meint der Kulturflaneur.

Montag, 18. August 2014

Verregnete Magie

Was macht man an einem regnerischen Ferientag? Man besucht ein interessantes Museum. Wir jedoch besichtigen die Umgebung und hoffen, dabei nicht allzu nass zu werden. Nach einem zweiten Augenschein in Keswick, betrachten wir an der ehemaligen Keswick Station (KWK) die verblichene Pracht des Keswick Hotels, wandern auf dem Bahntrassee und drehen uns bei strömendem Regen im Steinkreis.

Nach dem Frühstück in einem Keswicker Café lassen wir uns von dem bisschen Landregen nicht entmutigen, stapfen unter aufgespannten Regenschirmen die Station Road hoch zum stillgelegten Bahnhof, wo wir uns auf Empfehlung unserer Freunde in Godmanchester das altehrwürdige Bahnhofshotel anschauen wollen.



Bei Regenwetter wirkt das Keswick Hotel eher abweisend als prachtvoll, im Hotelpark auf der Rückseite entdecken wir aber doch noch den verblichenen Charme des alten Hotelkastens.



Von der Keswick Station (KWK) folgen wir dem Trassee der ehemaligen Bahnlinie, die in einen Wanderweg umgenutzt wurde. Schon bald einmal entdecke ich einen blauen Velowegweiser mit der Aufschrift "C2C". Was bedeutet C2C, frage ich mich und nehme mir vor C2C im Internet zu recherchieren.


C2C ist die Abkürzung für "Coast to Coast" oder "Sea to Sea". Die populärste Langdistanz-Veloroute Grossbritanniens ist 140 Meilen lang und führt von Whitehaven oder Workington an der Westküste nach Sunderland oder Tynemouth bei Newcastle-on-Tyne an der Nordostküste. Quelle: Auf www.c2cplaces2stay.co.uk ist die Karte interaktiv und mit weiteren Informationen hinterlegt.

Wir sind also nicht auf einem hundskommunen Wanderweg unterwegs, sondern auf der nationalen Veloroute "Coast to Coast". Trotzdem treffen wir mehr Wanderer und Spaziergängerinnen als Leute auf dem Velo.



Das Trassee der "disused railway" schlängelt sich talaufwärts und überquert mehrmals den Fluss Greta, der in grossen Mäandern talwärts fliesst. Eigentlich ein schöner Regenspaziergang.



Doch als wir das Tal verlassen und zum Steinkreis von Castlerigg hochsteigen, werden Wind und Regen stärker.



Nicht so bekannt und auch nicht so megalithisch wie Stonehenge, ist der Steinkreis von Castlerigg mit 70 Metern Durchmesser einer der grössten und bekanntesten Steinkreise in Grossbritannien (wo es immerhin 700 solche Steinkreise gibt).

Im Steinkreis von Castlerigg (zum Vergrössern aufs Bild klicken!)

Als wir uns in der Mitte des Steinkreises drehen und ein Foto machen, schüttet es ziemlich, dazu bläst ein recht starker Wind, so dass es fast waagrecht regnet — so geht natürlich jede Magie, die von dieser bronzezeitlichen Kultstätte ausgehen könnte, verloren...



Auch unsere Hoffnung, nicht allzu nass zu werden, ist zunichte. "Weather beaten" — wie die BritInnen zu sagen pflegen — ändern wir unsere Wanderroute und kehren auf schnellstem Weg nach Keswick zurück. Tröstend, dass wir in knapp drei Ferienwochen nur dieses eine Mal "vom Wetter geschlagen" werden und mit 3.5 Regentagen im Vergleich mit der Schweiz noch gut bedient sind.

Sonntag, 17. August 2014

Erster Augenschein

In Keswick angekommen, beziehen wir unsere Ferienwohnung und machen eine erste Runde: Wir besteigen den Haushügel von Keswick, machen eine Strandpromenade und besichtigen das schmucke Städtchen — und erfassen so in kurzer Zeit, was den Lake District so reizvoll macht.

Hügel, soweit das Auge reicht




Der Blick vom Castlehead, dem Hügel hinter der Ferienwohnung, auf die Hügellandschaft, den See Derwent Water und das Städtchen Keswick

Reizvolle Strandpromenade



Der See mit seinen schönen Uferpartien lockt viele Leute an — die Strandpromenade ist denn auch gut besucht.

Seepanorama (zum Vergrössern aufs Bild klicken!)

Schmuckes Städtchen



Keswick hat sich für die Touristen herausgeputzt. Der Turm auf dem Marktplatz ist das viel fotografierte Wahrzeichen, der backsteinerne Filmpalast mein heimlicher Favorit.

Mittwoch, 13. August 2014

Im Zickzack nach Keswick

Auf unserer Englandreise fahren wir nach dem Besuch bei Freunden in Godmanchester im Südosten quasi im Zickzack nach Keswick im Nordwesten Englands. Den letzten Abschnitt unserer Reise legen wir im Bus zurück — auf unserer Fahrt durch den Lake District zählen wir die Seen: Wir kommen auf fünf.

Leeds

Es wäre einfacher und schneller gewesen, mit dem Zug von Huntington (HUN, alle britischen Bahnhöfe haben wie Flughäfen einen Dreibuchstabencode) zuerst südwärts nach London Kings Cross (KGX) zu fahren und dann von London Euston (EUS) auf der Highspeed-Linie wieder nordwärts in den Lake District zu rasen, weil London wie eine Spinne im Zentrum des britischen Bahnnetzes sitzt. Von London führen zwei wichtige Linien nordwärts: die östliche über York und Newcastle nach Edinburgh, die westliche über Milton Keynes und Carlisle nach Glasgow.

Manchester

Wir aber wollen diesmal London auslassen und fahren deshalb von HUN nordwärts in die nächstgrössere Stadt, Peterborough (PBO) und von da mit Highspeed weiter nach Leeds (LDS). Ein Zug, der nur aus drei Wagen besteht, bringt uns durch eine reizvolle, typisch englische Industrielandschaft südwestlich nach Manchester Picadilly (MAN). Von da geht's manchmal wieder mit Highspeed nordwärts nach Windermere (WDM) im Lake District. Weil KWK, der Code aus früheren Zeiten, als Keswick noch mit der Bahn zu erreichen war, bei den National Rail Enquiries nur eine Fehlermeldung produziert, nehmen wir den Bus — eine Fahrt, die zur Besichtungsfahrt durch den Lake District wird.

Lake District

Sonntag, 10. August 2014

Marillenknödel

Sommer ist, wenn's Marillenknödel gibt. Ob man allerdings einem lausigen Sommer auf die Sprünge helfen kann, indem man diese österreichische Spezialität zubereitet, weiss ich nicht. Dennoch habe ich letzthin das Rezept meiner Mutter hervorgekramt und wenigstens kulinarisch dafür gesorgt, dass Sommer ist.



Hier also das Rezept für den kulinarisch perfekten Sommer:

500 g Kartoffeln schwellen, schälen und durchs Passevite drücken
150 g Mehl,
1 EL Zucker,
25 g Butter und
1 Prise Salz dazugeben, gut vermischen und kühl stellen
---
100 g Paniermehl mit
wenig Butter in der Teflonpfanne braun rösten und abkühlen lassen

Tipp: Paniermehl beim Rösten nicht aus den Augen lassen und laufend mit der Holzkelle rühren, damit es nicht schwarz wird.

wenig Zucker dazugeben und mischen
---
18 kleine Aprikosen waschen, halbieren, entsteinen
9 Zuckerwürfel halbieren und in die Aprikosen geben
Kühl gestellten Teig zu einer etwa 8 - 10 cm dicken Wurst rollen und in 18 gleich grosse Scheiben schneiden
Aus den Kartoffelteigstücken und den Aprikosen mit mehligen Händen 18 Knödel formen und 15 Minuten ins siedende Salzwasser geben

Tipp: Diejenigen Knödel, die obenauf schwimmen, sind fertig.

Fertige Knödel rausfischen, abtropfen lassen, in der Panade rollen und möglichst warm servieren

En Guete!



Marillenknödel sind ein sommerliches Geschleck, aber auch ziemlich "fuerig" — mehr als 5 oder 6 Knödel mag man auch mit dem grössten Hunger nicht verdrücken.

Herbstliche Alternative: Zwetschgenknödel
Rezept wie oben, aber mit 22 Zwetschgen. Die Zwetschgen nicht halbieren und entsteinen, weil die Knödel leichter auseinandergehen.

Samstag, 9. August 2014

50 Shades of Green

Als CHauvi glaubte ich früher beim Überqueren der Grenze eine kaum wahrnehmbare Veränderung der Grün-Nuancen erkennen zu können: Die Landschaft in der Schweiz ist einfach grüner als im Ausland. Bei den Briten musste ich nun zur Kenntnis nehmen, dass auch noch andere davon überzeugt sind, dass es kein grüneres Land gibt als ihr eigenes. Grünophiler sind nur noch die Iren, die auf DER GRÜNEN INSEL leben. 50 Shades of Green — ein Eintrag mit viel Chlorophyll.




Zum Vergrössern aufs jeweilige Bild klicken! Von oben rechts nach unten links: Fussballrasengrün — Entengrasgrün — Gartengrün in mindestens 10 Nuancen — Heckenlandschaftsgrün — Bettenlandschaft im Vorhangsgrün — vordergründiges Farngrün — Entengrützengrün — Bachlaufgrün — Sommerfliedergrün — Gräbergrün


Mit 27 schrieb der Journalist, Schriftsteller und Dichter Cecil Roberts (1892 – 1976) in einem Gedicht folgende Strophe, die Grünophile aufhorchen lässt:

For I habe trevelled and
Great beauty seen.
But, oh, out of England
Is anywhere green?

Schon etwas übertrieben, aber die Engländerinnen und Engländer sind aus gutem Grund stolz auf ihr Grün — englische Landschaften sind tatsächlich unglaublich grün.




Zum Vergrössern aufs jeweilige Bild klicken! Von oben rechts nach unten links: Kuhweidengrün — Parkanlagengrün — Grüngrenze am Hadrianswall — Regengrün — Blumenblättergrün — Friedhofskaninchengrün — Sumpfgrasgrün — hintergründiges Moosgrün — Seeufergrün


Je nach Wetter und Stimmung am Himmel wirken die 50 Shades of Green wieder anders: Im prallen Sonnenlicht wird das Grün heller und bleicher, bei Regenwetter oder mit dunklen Wolken wird das Grün satter und grüner.




Zum Vergrössern aufs jeweilige Bild klicken! Von oben rechts nach unten links: Schönwettergrün — Dunsthimmelgrün — dramatisches Gegenlichtgrün — Regenwettergrün — Grünstrassengrün — Küstengrün — sowie ein unvermeidliches Grünpanorama

50 Shades of Green reichen definitiv nicht, um alle Grün-Nuancen Grossbritanniens abzubilden — wenn es um politische Schattierungen geht, reichen 3: die Grüne Partei von England und Wales, die Grüne Partei in Nordirland sowie die Schottische Grüne Partei, die aus der 1990 aufgelösten Green Party (UK) hervorgingen. Ihr politischer Einfluss bleibt wegen des britischen Wahlsystems marginal. Lokale und regionale Umweltgruppen sorgen aber dafür, dass ökologische Anliegen nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden. Während unserer Ferien beispielsweise war die mögliche Vergabe von Fracking-Lizenzen in Nationalparkgebieten ein Thema, das von den nationalen Medien umfassend behandelt wurde.